Ihre Geschichte

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 verheiratet geschieden solo in einer Beziehung
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Er ist tot….

Mein Name ist Susanne, ich bin 51 Jahre alt, glücklich verheiratet seit 23 Jahren und mein Geliebter ist seit genau 4 Wochen tot.
Vor einiger Zeit habe ich hier auf „Männergeschichten“ unsere kurze, aber intensive Liebesgeschichte erzählt. Nun ist sie zu Ende. Um das zu verarbeiten, schreibe ich hier nochmal alles auf.
Am 10. Mai 2012 haben wir uns kennengelernt. Es war ein Reitertreffen an der See. Seit einigen Jahren verbringen einige Reiter dort zusammen ein langes Wochenende. Ich war dort schon vor vielen Jahren mal dabei, damals war er noch nicht dabei. Vor zwei Jahren, als wir uns dort das 1. Mal sahen, fand ich ihn nett, aber mehr nicht. Letztes Jahr sahen wir uns und ich hatte das Gefühl, die Funken sind sofort geschlagen. Ständig waren wir nebeneinander, es prickelte, es zischte, die Schmetterlinge flogen wild durcheinander. Nach einem Ritt saßen wir alle noch in der Sonne und tranken Wein und hörten „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros und sangen mit. Eine Bekannte hatte einen Bekannten zwischen ihren Beinen und massierte ihm den Rücken. Als M. sich beschwerte, dass er auch mal massiert werden wolle, sagte sie, S. ist doch frei, die massiert dir bestimmt gern den Rücken. Damit fing es an…. 2 Abende später saßen wir alle noch zusammen und erzählten uns Geschichten und ich nahm meinen Mut zusammen und sagte (schon ziemlich betrunken!) zu ihm, dass ich mir jetzt was Schöneres vorstellen könnte, als hier zu sitzen. Sofort antwortete er, ich auch. Soll ich erst gehen und du kommst nach? Mein Zimmer ist da und dort! Ich dachte, Wow, das geht schnell! Ich hatte an ein paar heiße Küsse hinterm Busch gedacht! Schließlich bin ich verheiratet! Und hässlich, mein Bauch ist faltig und ich bin alt…. Und überhaupt. Aber dann dachte ich – Scheißegal, ich probier’s, ich bin betrunken und er auch, der wird schon nicht so genau gucken und einmal ist keinmal!
Kaum war ich bei ihm, riss er mir die Klamotten vom Leib. Wir hatten min. 3mal wilden Sex hinterei-nander. Ich war völlig losgelöst! So etwas hatte ich seit Jahren, ach, was rede ich, seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt! Es war nicht außergewöhnlich, aber es hat mich tief berührt! Ich wusste nicht, wie mir geschah, bin irgendwann völlig erledigt ins eigene Bett. Der Abschied war merkwürdig – der Klassiker – „wir telefonieren“! Nachhause bin ich völlig schwerelos gefahren, Schmetterlinge und wer weiß, was noch im Bauch! Habe durch Zufall immer wieder das Lied „We are the people“ gehört und entschieden, dass das fortan „unser“ Lied ist! Habe meine beste Freundin angerufen und ihr alles erzählt, ich musste es los werden… Sie war neidisch und konnte mein Gefühle so gut nachvollziehen. Mit 50 passiert einem sowas nicht mehr – normalerweise – wenn man gesettelt ist, die Kinder sind aus dem Haus, etc.pp.. Zuhause fiel ich nach langer sexloser Zeit über meinen Mann her und war völlig aus dem Häuschen – er natürlich auch!
1 Woche wartete ich auf seinen Anruf. Wie zu alten Zeiten, versuchte zu verdrängen, was passiert war. Nach einer Woche rief ich ihn unter einem Vorwand an. Nachdem wir ein wenig Small Talk gemacht haben, fragten wir beide gleichzeitig „Und sonst so?!“ Da war mir klar, es geht ihm genauso! 2 Wochen später waren wir alle zu einem großen Fest eingeladen. Mein Mann und ich sind schon eine Nacht vorher hingefahren und wollten an dem Abend bei meiner Freundin, die das Fest ausrichtete grillen. Was ich nicht wusste, er kam auch dahin! Wieder war ich wie elektrifiziert! Wir haben uns ständig nur angesehen und uns mit den Blicken liebkost… Am nächsten Abend bei dem Fest habe ich ihn gebeten, mit mir kurz mal rauszugehen und mit mir zu sprechen. Hinter einem Auto fiel er wieder über mich her und ich habe es genossen, es aber trotzdem gestoppt. Wir haben uns gefragt, wie es jetzt weiter gehen soll. Darauf hatten wir beide keine Antwort, außer dass wir uns wieder sehen wollten – unbedingt…
Kurze Zeit danach trafen wir uns in einem Nachbarort, sind in den nächsten Waldweg gefahren und übereinander im Auto hergefallen und danach essen gegangen. Wie die 18-Jährigen. Ich dachte, ich kann die Finger nicht von ihm lassen, er ist so wunderschön, ich liebe seine Augen, seine Hände, seine Haut, seinen Körper – einfach alles. Ich will das jetzt und andauernd. Und er fühlte genau dasselbe. Wir konnten nicht aufhören, uns anzusehen und uns zu erzählen, wie schön die Augen des jeweils anderen sind!
Immer öfter telefonierten wir miteinander, simsten hin und her. Gestanden uns den Stress, den wir mit der Situation hatten – er war schließlich auch verheiratet und nicht unglücklich dabei.
Kurze Zeit später trafen wir uns mal wieder in einem anderen Ort und mieteten ein Zimmer. Es war sensationell. Wir haben 6mal miteinander geschlafen, das schönste Mal war unter der Dusche zum Schluss. Wo nahm der Mann diese Kraft her?! Das kannte ich überhaupt nicht mehr! Das hatte ich vor 30 Jahren hin und wieder erlebt, aber in dem Alter?! Mein Mann hatte sogar schon mit Viagra herum experimentiert! Und ist 10 Jahre jünger! In diesem Hotel trafen wir uns ein paar Mal und genossen unsere wenige Zeit miteinander. Es gab noch ein anderes Hotel, aber dort trafen wir uns nur 2 mal, es gefiel uns dort nicht so, obwohl das Ambiente nett und das Essen gut war.
Im Juli wurde er 60 und „musste“ mit seiner ganzen Familie weg fahren und feiern. Eigentlich fand er das auch schön, aber uneigentlich wollte er lieber mit mir zusammen sein. Wir hatten beide 2 Seelen in unserer Brust. Kurz danach haben wir es geschafft, 3 Nächte an der See mit den Pferden und allein zu verbringen. Das war die schönste Zeit überhaupt. Erst hatte er unglaublich Angst, weil ihn dort ja jeder kennt, aber irgendwann entspannte er sich, zog zu mir ins Hotel und überließ sich der Lust und wir hatten eine wundervolle Zeit gemeinsam. Die Gespräche waren die typischen zwischen Verliebten, dieser Austausch des ganzen Lebens, wie man worüber denkt, was man gerne mag, wo die Probleme mit dem Partner sind, wobei ich dazu garnichts sagen konnte, denn ich habe keine Probleme mit meinem Partner, keine ernsthaften zumindest! Er hingegen musste nun feststellen, dass er recht unzufrieden war mit seiner Frau, dass er sie zwar liebt, aber es hasst, dass sie so wenig Zeit miteinander verbringen etc.. Einer der schönsten Momente war in diesen drei Tagen eigentlich, als ich mit Kopfschmerzen auf dem Bett saß und er sich so selbstverständlich hinter mich setzte und mir den Rücken massierte. Aber auch, dass ich morgens neben ihm aufwachen durfte und diesen schlaftrunkenen, schlafwarmen Körper spüren durfte – Traumhaft…
Einmal trafen wir uns zu einem Picknick in der Heide, ich brachte Decke, Essen und Sekt mit, er sich und seine Lust! Es war fürchterlich romantisch. Während wir da so nackt herum lagen, gab es plötz-lich ein Geraschel im Gebüsch und 2 Rehe sprangen über uns hinweg! Was für ein Schreck! Wir Dus-sel hatten uns auf Wildpfade gelegt!
An der See mit meinem Pferd musste ich feststellen, dass es für mein Pferd aufgrund seines Alters eine Belastung ist und so wurde der Gedanke geboren, ein neues Pferd zu kaufen. Ich dachte lange darüber nach und kam zu dem Schluss, ja, das will ich und das schaffe ich. M. hatte mir in den ver-gangenen Wochen 2 Pferde angeboten – nicht für mich, aber falls ich mal was höre… so kam es, dass ich ihm nun mitteilte, dass ich eins davon für mich haben wolle. Ich ritt sein Pferd ein paar Mal Probe, war zu diesen Gelegenheiten auch auf seinem Hof, lernte seine Frau und seine Familie kennen, was sehr komisch war. Ich entschied mich für dieses Pferd, obwohl es in keinem guten Zustand war. Im September sollte ich es bekommen. Bis dahin traf ich ihn hin und wieder in „unserem“ kleinen Hotel oder im Wald, wie es sich gerade ergab. Und wenn wir uns nicht sehen konnten, was ja die meiste Zeit der Fall war, telefonierten und simsten wir verliebt hin und her. Ich gewöhnte mich daran, ständig mein Handy bei mir zu tragen und freute mich bei jedem Piepen, weil ich hoffte, es wäre von ihm. Ihm ging es genauso. Er hatte in seinem Leben vorher nicht gesimst und lernte nun die Finessen der Simserei. Meist kam nur „Bitte anrufen!“ wenn ich ihm was nettes geschickt hatte, weil er nicht so viel schreiben konnte, wie er sagen wollte! Manchmal kam aber auch ein ermunterndes „Guten Morgen, schöne Frau!“ oder ein „Ich liebe Dich“ oder auch nur ein Kuss. Irgendwann fand er heraus, wie man Bilder verschickt, da bekam ich dann auch das eine oder andere intime Bild, wenn wir beide mal wieder allein auf dem Sofa saßen und Sehnsucht hatten…. Hatten wir am Anfang noch festgestellt, dass Telefonsex wohl keine Option für uns sei, fiel es uns zunehmend leichter, es quasi gemeinsam am Telefon zu machen – genauso wie wir auch gemeinsam ritten – obwohl wir nicht zusammen sein konnten – wir telefonierten halt währenddessen! Montags nach meiner Arbeit telefonierten wir eigentlich immer und tauschten uns über das Wochenende aus, über die Pläne in der Woche, über die Möglichkeit sich eventuell zu treffen. Um darüber zu reden, wann wir uns wieder sehen würden und was wir dann machen würden. Wir schwelgten dann in der Vorfreude.
Im September bekam ich nun mein neues Pferd von ihm bzw. seiner Tochter. Ich war glücklich und hatte fortan noch mehr Möglichkeiten, ihn ganz „legal“ anrufen zu können. Kurz nach der Übergabe trafen wir uns wieder in unserem Hotel, damit ich ihm das Geld für das Pferd geben konnte. Ich war entsetzlich erkältet, hatte auch kein Zimmer bestellt, ich wollte ihm nur das Geld geben und schnell wieder heim in mein Bett. Er überredete mich, doch noch in die Heide zu fahren. Es war Vollmond, klarer Himmel und er nahm mich auf der Motorhaube. Als wir noch auf dem Boden lagen und in den Himmel starrten und uns unsere Liebe gestanden, fing es urplötzlich wie aus Eimern an zu regnen! Aber es war unglaublich romantisch wieder einmal und wir fuhren beide mit erfüllten Herzen nachhause… Die Taschentücher hatte ich einfach liegen gelassen, zerfällt ja. Ein paar Tage später war er mit seiner Tochter genau dort zum reiten und seine Tochter sagte, wie eklig das doch wäre, das die Leute immer alles einfach alles fallen lassen würden in der Natur!
Im Oktober wollten wir uns eigentlich wieder 3 Tage an die See verabschieden, aber das geht nun mal nicht immer so leicht, wenn man so viel lügen muss. Und so klappte es dann auch nicht, worüber wir im tiefsten Inneren beide auch ganz froh waren, weil es uns doch immer schwerer fiel, mit der Situation umzugehen. Wir trafen uns dann wieder mal im Hotel, um wenigsten ein paar Stunden miteinander verbringen zu können. Manchmal war der Sex auch komplett nebensächlich und nur das Beisammensein war wichtig.
Ende Oktober nahm er mich dann zu meiner 1. offiziellen Jagd mit. Ich hatte zwar schon 2 vorher geritten, aber nicht wirklich, wie ich nun feststellen musste! Das hier war doch ein ganz anderer Schnack! Als wir dort ankamen, stellte sich heraus, dass die anderen, die normalerweise auch dabei sind, nicht kamen! Was für eine Freude für uns! Wir waren sozusagen inkognito! Im Hotel bestellten wir die beiden Einzelzimmer in ein Doppelzimmer um und genossen dieses Wochenende unglaublich. Da konnte ich auch mein schlechtes Gewissen komplett abstellen, ich weiß nicht, was da mit mir los war. Mittlerweile konnte er mich auch zum Orgasmus bringen, der so ganz anders war als mit meinem Mann, mehr so tief in mir drinnen. Wesentlich gefühlvoller irgendwie. Ich kann es nicht erklären, weil es ansonsten eher so war, dass er sich nahm, was er brauchte (Küssen, Lecken, Petting war nicht so seins!) und mir genau das auch gut gefiel. Und ich habe ihn in den Wahn getrieben mit allem was ich habe! Mein Mann ist immer mehr um mich besorgt und macht am liebsten so Blümchensex, was ja mal ganz schön ist, aber eigentlich möchte ich es wild und leidenschaftlich. Aber das lässt eben nach so viel Jahren nach… und hier war es selbstverständlich! Und auch immer wieder möglich – anders als zuhause! Ich konnte mich komplett austoben. Und ich habe ihm Sachen erzählt, die ich nie jemandem erzählen würde und es hat ihn natürlich geil bis zum Geht-Nicht-Mehr gemacht!
Nach diesem Wochenende fieberten wir auf das nächste gemeinsame Wochenende in der Heide hin, wo wir mit all den anderen sein würden. Zwischendurch trafen wir uns natürlich hin und wieder. Manchmal fand ich Gründe, damit er kommen musste – Probleme mit dem Pferd, benötigte Hilfe beim Aussuchen eines Anhängers etc.. Dann verbrachten wir den Nachmittag miteinander – nachdem wir eine schnelle Nummer bei mir hatten und waren glücklich. Einmal kam er, um mich abzuholen und ich wollte mit ihm Schluss machen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe und weil die Sache anfing mich zu langweilen, aber als er da war, fand ich ihn wieder so wunderschön! Und wie er mich ansah, da wurde der Blick ganz glasig vor Geilheit und wenn ich ihm an die Hose fasste, war da immer ein harter Schwanz zu fühlen! Unglaublich! Wir hatten uns aber auch immer so viel zu erzählen und konnten die Hände nie voneinander lassen. Überall wurden wir von allen für Mann und Frau gehalten, ich glaube wir wirkten einfach als würden wie zusammen gehören. Denn so etwas ist mir mit einem anderen Mann – außer meinem eigenen! – noch nie passiert! Und ich glaube, jeder konnte sehen, wie verliebt waren…
Dieses kommende Jagd-Wochenende war wunderbar, es gab zwar einen schweren Unfall und da das Pferd, mit dem Unfall passiert, seins war, hat er sich entsetzliche Vorwürfe gemacht. Aber wir hatten auch wunderbare Momente wieder miteinander. Manchmal, wenn ich mit ihm schlief – ich war fast immer oben – dachte ich, Oh Gott, jetzt stirbt er! Schließlich wusste ich ja, dass er schon vor Jahren mal einen Herzinfarkt gehabt hatte! Weil er dann so komisch die Augen verdreht hat und so geschnauft hat und dann habe ich ihn gezwungen, mich anzusehen, damit ich jede kleinste Veränderung wahrnehmen konnte. Aber es war immer nur die pure Geilheit! In einer Nacht war ich so betrunken, dass ich ihm erzählte, ich würde immer auf ihn aufpassen, ihn beschützen und für ihn sorgen! Weiß der Geier, was mich da geritten hat!
Einmal im November oder so musste ich in seine Gegend, weil ich dort zu tun hatte und fragte, ob wir uns nicht treffen könnten. Er hatte nur wenig Zeit und beschrieb mir genau, wo ich hinkommen sollte. Und dann trafen wir uns auf seiner Wiese, auf der er einen alten Bauwagen stehen hatte! Dort hatte er ein paar Kerzen mit hingenommen und eine Flasche Wein und wir konnten wenigstens eine kurze Stunde miteinander verbringen, bevor es einfach zu kalt wurde!
Ein anderes Mal fragte ich ihn, ob wir mal meine Standheizung ausprobieren wollten. Wir trafen uns wieder in der Heide. Ich fuhr nur mit roten Dessous, roten Stiefeln und einem Fellmantel bekleidet dort hin und wir haben meinen Kofferraum eingeweiht. Es war grandios! Ich fühlte mich wie 20 und er auch. Ich glaube, das hat auch ganz viel des Reizes ausgemacht – dass wir beide uns so dermaßen noch mal austoben konnten! Damit hatte keiner von uns beiden mehr gerechnet, er betonte immer wieder, was ich tolle Frau mit so einem alten Sack wie ihm denn wolle und ich FÜHLTE mich endlich wieder als tolle Frau! Als begehrenswerte Frau. Und ich fand ihn auch immens begehrenswert. Normalerweise, wenn ich so um sich schaue und Männer in meinem Alter oder älter sehe, denke ich, Bäh, wie gut, dass ich so einen tollen Mann habe! Und nun hatte ich plötzlich zwei unglaublich tolle Männer! Die mich beide liebten und ich sie auch! Warum nur ließ sich das so schlecht vereinbaren?!
Die Weihnachtszeit war wieder ein harte Zeit, weil wir uns nicht sehen konnten. Einmal in der Vor-weihnachtszeit war ich furchtbar sauer auf ihn, weil er sich immer so flapsig verabschiedete und dann kam irgendwie noch so ein doofer Spruch, dass ich geplatzt bin und dachte, okay, nun mache ich wirklich Schluss damit und wieder – als ich ihn dann sah, ging es nicht! Ich wollte ihn nicht mis-sen! Weihnachten selbst waren wir mit unseren Familien zusammen, schafften es aber doch zwi-schendurch, wenigstens kurz miteinander zu telefonieren bzw. zu simsen. Meine Telefonrechnungen nahmen unerträgliche Ausmaße an!
Im neuen Jahr trafen wir uns auch hin und wieder – entweder im Hotel oder auf der Heide oder er holte mich wg. irgendwas ab (Pferd angucken, Anhänger kaufen etc.).
Im Februar trafen wir uns dann nochmal wieder alle gemeinsam in der Heide und hatten wieder ein schönes Wochenende. Wir waren z.B. zusammen Reithosen kaufen – die werde ich jetzt immer in Gedanken an ihn tragen – und die Verkäuferin war die ganze Zeit um uns herum mit „Ihre Gattin, Ihr Herr Gemahl etc.. „Als wir gingen, fragte ich ihn, was er davon eigentlich halten würde, wenn die Leute uns immer so ansprechen würden! Er sagte, er könne sich durchaus daran gewöhnen. An dem Wochenende passierten dann aber auch ein paar Dinge, die mir fürchterlich auf die Nerven gingen, die ich rücksichtslos und egoistisch von ihm fand und derentwegen ich mich sehr ungnädig verabschiedet hatte. Als er mich dann am nächsten Tag anrief, war ich nicht freundlicher, denn ich war der Meinung, auch wenn wir hier etwas Verbotenes taten, konnte man doch achtungsvoller miteinander umgehen. Teilweise war ich auch eigentlich auf mich selbst genervt, denn ich hatte mich wieder in alten Verhaltensmustern gefunden. Schließlich bat ich um ein persönliches Gespräch, um ihm das alles zu sagen. Wir trafen uns im bekannten Hotel zum Essen. Er glaubte, ich würde mit ihm Schluss machen wollen und war fürchterlich aufgeregt. Ich erzählte ihm alles, was mir am Herzen lag und alles klärte sich auf – natürlich! Er war entsetzlich gestresst, aber dann wieder sehr glücklich, dass ich ihn nicht loswerden wollte! Ich bot an, noch mal die Standheizung zu nutzen, aber er sagte, er könne nicht, er würde gar keinen hoch kriegen, das müsse er jetzt erst mal mental alles verarbeiten. Er wäre so glücklich, dass ich weiterhin mit ihm „zusammen“ sein wolle. Er erzählte mir, ich glaube an dem Abend, dass er neulich mal so heftige Kopfschmerzen und Schwindelgefühle und Übelkeit gehabt hatte. Seit fast einem Jahr schon konnte er nachts kaum schlafen, weil er immerzu an mich denken müsse und überlegen müsse, ob es nicht doch eine Chance für uns gäbe.
Zwei Wochen später war er hier und wir schauten ein Pferd an, wir wussten, wir würden uns erst wieder im April treffen, wenn ich in seiner Nähe eine Fortbildung hätte. Ich würde in der darauffol-genden Woche mit meinem Mann in den Urlaub fahren und an dem Tag wieder kommen, an dem er auf eine Jagd eingeladen war, zu der ich nicht eingeladen war. Was ihn sehr ärgerte – mich auch! Als er hier war, schliefen wir miteinander. Er bekam wieder plötzliche Kopfschmerzen, musste abbrechen, ihm wurde übel und schwindelig und er wurde ganz fahl. Ich wollte ihn nur ungern fahren lassen. Abends rief ich ihn an und fragte, ob er heil nachhause gekommen sei. Er meinte, Ja, seine Frau wäre krank und er hätte sich sicher angesteckt. In der Retrospektive behaupte ich, er hatte hier schon einen kleinen Herzinfarkt und hat das auch gewusst, aber nicht wahrhaben wollen.
In der Urlaubswoche konnten wir zwischendurch auch telefonieren, was wir ja normalerweise nicht taten, wenn wir wussten, dass wir mit unseren Partnern zusammen waren. Auch an dem Freitag, bevor er starb, sprachen wir miteinander. Es ging ihm nicht gut, er hatte Stress wg. einer Stute, die fohlen sollte, wg. der Jagd, wg. eines Pferdes, welches an dem Wochenende neu zu ihm kommen sollte. Ich machte mir Sorgen. Am Abend darauf schrieb ich ihm eine SMS, in der ich fragte, ob alle am Leben sein, ob es ihm gut ginge, dass er sich bitte melden solle…. Da war er schon 2 Std. tot….
Am nächsten Tag rief meine Freundin mich an, um mich zu informieren. Ich brach zusammen. Er hatte auf seinem Pferd einen Herzinfarkt bekommen und war dann gestürzt. Er war schon tot, als er aufschlug.
Bis heute kann ich es nicht fassen. Ich vermisse ihn unendlich.
Ich weiß, das Leben geht weiter und ich habe einen Wahnsinns-Mann. Aber manchmal möchte ich auch einfach sterben und aufgeben. Ich frage mich nach dem weiteren Sinn meines Lebens…
Am 10. Mai hätten wir unser “1-jähriges” gehabt…
Ich werde Dich nie vergessen….

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Darf man das denn????!!!

Im Mai letzten Jahres hat es bei mir gekracht! So richtig! Ich war kurz vor meinem 51. Geburtstag, ich hatte ca. 28 kg abgenommen und war dabei, mich neu zu erfinden! Ich fühlte mich so wohl in meiner Haut wie schon ewig nicht mehr. Ich war auf einem Reiter-Wochenende, wo ich ihn traf. Ich hatte ihn zwar schon im Jahr vorher kennengelernt, aber er hatte mich garnicht wahrgenommen – um ehrlich zu sein, kein Wunder! 1. War ich fett und 2. fühlte ich mich auch so und habe das entsprechend ausgestrahlt! Nun aber war ich die gute Laune in Person! Beim Nebeneinanderherreiten stießen unsere Knie ständig zusammen und jedes Mal durchfuhr es mich! Und wenn er mich dann auch noch ansah – Mannomann, da war es um mich geschehen. Irgendwann saßen wir alle zusammen, er neben mir und eine Bekannte massierte jemand anderen den Rücken und er moserte, dass er das auch wolle und sie sagte, frag doch Susanne, die ist grad frei! Und so saß er dann schwups zwischen meinen Beinen und ich massierte ihn und wir sind beide vor Aufregung fast gestorben dabei!
Nun bin ich aber ja seit mehr als 20 Jahren glücklich verheiratet! Mit einem gut aussehenden, liebvollen, verständnisvollen, wunderbaren Mann! Mit dem es zwar schon immer sexuell ein wenig Probleme gab (unterschiedliche Ansichten über guten Sex: er will am liebsten immer Blümchensex und ich mags auch mal hart und heftig, aber auf jeden Fall abwechslungsreich!), aber wir hatten uns arrangiert. Im Mai jedoch hatten wir schon ewig nicht mehr miteinander geschlafen (durch die starke Abnahme in kurzer Zeit ging es mir gesundheitlich lange nicht gut), ich war der Meinung, dass ich das wohl auch nicht mehr brauche und war am Überlegen, ob ich ihm vorschlagen sollte, dass er sich eine Geliebte sucht, damit er befriedigt ist und ich meine Ruhe habe….
Am letzten Abend dieses Reiterwochenendes saßen wieder alle in gemütlicher Runde zusammen und irgendwann habe ich mich getraut, zu IHM zu sagen, dass ich mir jetzt was wesentliches schöneres vorstellen könnte, als hier rumzusitzen und zu schnacken. Woraufhin er sofort sagte, ja, ich auch. Ich geh zuerst und dann kommst du auf mein Zimmer, okay?! Hups, das ging schnell! Ich hatte erstmal nur an Knutschen hinter’m Busch gedacht! Naja, was soll’s…
Ich bin dann also eine halbe Stunde nach ihm endlich in seinem Zimmer aufgetaucht und er fing sofort an, mich zu küssen und mich ungestüm auszuziehen. Ich dachte, na gut, einmal ist keinmal – weitermachen!
In dieser Nacht haben wir es 3xmal miteinander getrieben (er ist über 60!). Der Sex war nicht Weltklasse, aber fremd und berauschend! Noch in der Nacht sprachen wir darüber, dass es bei dieser einen Nacht bleiben würde, da auch er glücklich verheiratet sei und genauso wenig wie ich an eine Trennung dachte. Am nächsten Tag hatte ich Schmetterlinge im Bauch! Wir verabschiedeten uns und ich fuhr glückselig nachhause, dort fiel ich über meinen Man her und holte mir die Befriedigung, die mir in der Nacht gefehlt hatte!
Er rief mich nicht an, mehrere Tage später hielt ich es nicht mehr aus und rief ihn unter einem fadenscheinigen Vorwand an. Er war genauso aufgeregt wie ich! Wieder ein paar Tage später trafen wir uns auf einem Parkplatz und fuhren in einen Wald und trieben es in seinem Auto. Das hatte ich mit Mitte 20 zuletzt gemacht – mein Mann war für derlei Späße nicht zu haben. Ich hatte zwar wieder keinen Orgasmus, aber es war geil. Die Tatsache, dass es da jemanden gibt, der einen mit Haut und Haaren und allen Falten etc. begehrt und aufregend findet, ist schon der halbe Orgasmus!
Wir wurden immer freizügiger, im Juli waren wir mehrere Tage zusammen weg, es war ein Traum, hier hatte ich dann auch das erste Mal mit ihm gemeinsam einen Orgasmus. Er muß sexuell noch viel lernen, er führt sich auf wie ein junger Spund, kann aber dafür dann auch schon mal 6 x hintereinander! Und jedes Mal wird es entspannter und schöner. Meine Hochachtung hierfür!
Mittlerweile ist klar, wir sind fürchterlich ineinander verliebt, begehren einander andauernd (er treibt mich zu den irrsinnigsten Dingen, an die ich im Traum nicht gedacht hätte und schon garnicht mehr in meinem Alter! Z.B. fahre ich nur mit Dessous und Stiefeln und einem Mantel bekleidet in einen Wald, um ihn zu treffen und es auf der Ladeklappe zu treiben…. Ich habe einen erotischen Kalender von mir machen lassen… Ich schicke ihm aberwitzige SMS etc.). Andererseits schämen wir uns in Grund und Boden, wissen genau, unsere Geschichte darf niemals an unsere Partner gelangen, fragen uns dann aber wieder, wer urteilt denn darüber mit welchem Recht? Unseren Partnern wird nichts genommen, im Gegenteil! Mein Mann hat endlich wieder Sex mit mir und wir sind glücklich miteinander wie selten zuvor! Aber ich möchte den anderen nicht missen, er ist der Kick, das Abenteuer, die Bestätigung, das Sahnehäubchen. Aber mit ihm leben? Nein Danke, das ginge nicht, wäre mir zu langweilig, da ist mein Mann intellektuell betrachtet wesentlich spannender, aber der andere ist eben so erfrischend!
Muß ich mich wirklich schlecht fühlen? Bin ich ein böser Mensch, weil ich nochmal spüren möchte, wie das war mit 18, wenn man sich voller Neugier und mit aller Energie in eine neue Liebe gestürzt hat? Ich weiß es nicht… Was würde ich sagen, wenn mein Mann dasselbe täte? Ich weiß es nicht… Aber ich weiß, dass es so etwas in meinem Leben vermutlich nicht mehr geben wird und ich jede Sekunde voll auskosten will!

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irgendwie Hoffnung, irgendwie nicht!!!

Es begann vor viereinhalb Jahren, ich hatte gerade die Arbeitsstelle gewechselt und als ich mich den Kollegen vorstellte, stand er da ein Mann ein richtiger Mann! Groß, dunkelhaarig, tolle Auge, sinnliche Lippen! Wir verstanden uns auf Anhieb, wir waren auf einer Wellenlänge. Aber es gibt keine neuen Menschen ohne neue Probleme! Sein Problem Verheiratet und ein Kind die er beide liebte! Doch die Liebe zu seiner Frau schien dann doch nicht so tief wie man es erst vermutet hätte. Nach circa zwei Wochen im neuen Betrieb verstanden wir uns so blenden das es einfach unheimlich war! Wir hatten damals noch den selben Heimweg und liefen diesen jeden Abend gemeinsam und so kam es irgendwann auf diesem weg und unserer Lieblings Bank im Wald durch den wir gehen mussten, nach einem ihm sehr unangenehmen Gespräch zu unserem ersten Kuss!
Es war toll ich verlor mich total darin, aber dann die Stimmen im Hinterkopf, der Mann ist verheiratet egal wie sexy er ist! Und so kamen die ersten zweifel!! Aber die waren immer verflogen sobald ich ihn wieder sah!
So ging das eine ganze Weile fast anderthalb Jahre wir sahen uns wir quatschten wir teilten unsere Vorlieben und knutschten rum, nie mehr, bis seine Frau eines Tagen in den Urlaub fuhr mit dem Kind!
Er lud mich zu sich ein und wir guckten einen Film und so kam eins zum anderen, wir schliefen das erste mal miteinander, auf Ihrer Couch es war toll aber danach fühlte ich mich schlecht!
Danach ging es weiter wie vorher!
Einige Zeit danach standen die beiden kurz vor der Trennung und ich machte mir zum ersten mal wirkliche Hoffnung aber als sie ihm drohte ihm das Kind weg zu nehmen wenn er sich trennen würde blieb er bei ihr!
Zu dieser Zeit bin ich gerade von einer WG in meine eigene Wohnung gezogen und so kam er öfter mal zu besuch! Aus öfter wurde oft bis heute ist er einmal die Woche bei mir und wir reden über Gott und die Welt! Er ist mein bester Freund nicht nur irgendein Mann mit dem ich ab und zu schlafe! Auch als meine Mutter Anfang des Jahres starb war er immer für mich da!
und die Hoffnung und auch die Gefühle wurden immer mehr, aber ich wusste von Anfang an worauf ich mich einließ und somit lies ich keine Hoffnung zu, weil ich auch nicht wusste wie er darüber gedacht hat und so lief es einfach immer weiter, nach dem gleichen Schema, bis er raus fand das ich nebenbei mit noch einem anderen Mann geschlafen hatte und seine Eifersucht geweckt war! Er machte mir eine riesen Szene ohne dabei genau zu sagen worauf er hinaus wollte!
Am Ende haben wir uns geeinigt das ich damit Leben kann das er verheiratet ist, er aber auch nicht das recht hat mir Vorwürfe zu machen wenn ich mit nem anderen ins Bett gehe!
Aber in letzter Zeit wird es zwischen ihm und mir immer intensiver er wird unvorsichtig, er befummelt mich vor seinen Arbeitskollegen und wir haben Sex in der Öffentlichkeit!
Aber ich weiß nie genau was er wirklich will, was er vermutlich selber nicht weiß weil er wenn er es riskieren würde Sie zu verlassen könnte er so viel verlieren, sein Kind oder sein gewohntes Leben!!
Wie es weiter geht ich weiß es nicht vermutlich wie immer quatschen, vögeln und zweifeln!! Also alles wie gewohnt!
Und in mir immer diese Hoffnung!!

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Königskinder… Eine Mutmachgeschichte

Meine Mutter hat mir früher immer erzählt, dass, wenn ein wichtiger Mensch in deinem Leben stirbt, ein Neuer in dein Leben kommt. Nichts Gutes geht wirklich verloren in dieser Welt. Es wandelt sich nur.
Als sie starb war ich 15. Kurz darauf traf ich ihn. Er war zwei Jahre älter. Und mindestens genauso einsam und traurig wie ich. Seine Geschichte.
Es wurde einfach nur warm. Im Bauch. Wie eine große Sonne, die sich langsam und wunderschön ausbreitet. Sonnenaufgang.
Ich wusste, dass ich ihn kannte. So vertraut, so warm. Da war überhaupt gar nichts Fremdes.
Wir wurden Freunde.
Freunde machten damals Elbpartys, schwänzten die Schulstunden, diskutierten nächtelang politische Reformen beim Schachspielen. Friedensbewegt. Sie träumten sich in eine andere Welt. Mit Musik. Und Rotwein. Irgendwo bei den Sternen im Weltall.
Nicht von dieser Welt und immer nur für kurze Zeit.
Die Wege trennten sich. Ich fand einen anderen Mann und bekam zwei Kinder.
Es folgten 12 Jahre funkstille.
Dann: Abi-Treffen, stayfriends, Xing, facebook. . . Midlifecrisis
Da kann einem schon mal die Vergangenheit um die Ohren fliegen.
Glücklich wiedergefunden. Sehr aufregendes Treffen! Vor mir stand jetzt ein erfolgreicher Geschäftsmann und bewunderte meinen Garten.
Und: War mir denn früher gar nicht aufgefallen wie erotisch und sinnlich dieser Mann ist? Und wieder diese Liebe. Ganz tief und warm. Ein Kuss, eine Berührung, Hingabe,
ein Sternenreich. Die beiden Hälften vom Ganzen.
Aber ich war gefangen in meiner kleinen, Welt, ich konnte nicht gehen. Soviel Angst vor Veränderungen, Angst vor den eigenen Tiefen. Der Alltag, die Kinder, die Hypotheken. . .
Wieder verträumte Nächte. Bei den Sternen. Transformationen dauern. Man hörte voneinander, immer mal wieder.
Aber die innere Welt hatte sich irgendwie gedreht. Die beiden Königskinder waren nicht glücklich mit ihren geschaffenen Welten. Da war doch noch soviel mehr was gelebt werden wollte. Die Träume. Die geheimen Wünsche an das Leben. Und an die Liebe. Gekostet, aufgenommen, eingeatmet.
Aber vor der Verwirklichung von Träumen hat der liebe Gott die Bewältigung von alten Traumata gesetzt. Jedes Königskind musste Ordnung schaffen in seinem Reich. Grenzen erneuern, Steuern eintreiben. Verträge schließen. Ganz irdisch. Der Himmel weinte. Es zogen sehr graue Wolken auf.
Aber der Samen, der im Herzen saß und täglich wuchs, hielt die Träume am Leben. Und viele Engel beschützen und pflegen ihn. Sie werden ganz zueinander finden. Wenn die Zeit reif ist. Sie helfen sich. Wie damals, vor 30 Jahren.
Das Gute geht nicht verloren, es verwandelt

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Kommentare

  1. Diva schrieb

    :-)

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Achtung hier kommt ein Klischée.. ah, nein, nicht nur eins…

Klischée-Stories
Am Wochenende war ich im Park. Mit Freundinnen und deren Kindern. War schön, viel gequatscht, viel Spaß gehabt. Ich war die einzige ohne Kind.
Gegen Ende musste die eine nach Hause, mit der Tochter noch was für die Schule lernen. Die andere zu Besuch bei Oma + Opa, und die letzte zum Pizzabacken beim Kindergartenfest.
Ich bin zufrieden mit den Kuchenresten nach Hause getrabt, habe alles genüsslich vorm Fernseher gegessen, mit einem Freund telefoniert und neue CDs gehört. Hat was, machen zu können, was man gerade will. Das Wohlfühl-Klischée der Single-Frau.

Heute hat mein Ex-Lebensgefährte Geburtstag – wir waren über 10 Jahre zusammen und haben den größte Teil der Zeit einigermaßen zufrieden nebeneinander her gelebt. Irgendwann auch nur noch einigermaßen unzufrieden nebeneinander geschlafen… ich zumindest. War alles so gewohnt und freundlich. Und langweilig. Man hatte über Kinder geredet, aber keine Lust mehr sie zu produzieren. Dafür eine Wohnung gekauft und auf’s Land gezogen. Ein gemeinsamer Urlaub im Jahr, gemeinsam Einkaufen Samstag oder Freitag, beim Ausgehen öfter mal getrennt, war nicht so seins. Das ist dann wohl das Wir-sind-uns-gewohnt-Pärchen-Klischée.

Plötzlich gab es einen kleinen Knall und ich durfte einen interessanten Menschen kennenlernen, erst virtuell, dann telefonisch und schließlich ziemlich persönlich und körperlich. Ein kleiner aufgeregter, erregter Knall folgte dem nächsten, bis zum großen, dem Ende des Wohlfühlpärchen-Daseins. Aus anderen Gründen, aber stark beeinflusst von diesem Abenteuer. Das seltsame Ende-ohne-wirkliche Schrecken-Klischée, aber mit Bitterkeit.

Was für ein Mann! Optisch gar nicht mal so meins, aber intelligent, wortgewandt, herausfordernd, charmant, interessant, ein verbaler Deeskalierer mit Riesen-Ego und enorm vielen Interessen. Und eigentlich nicht verfügbar. Kommunikation, wenn er es will, wunderbare Stunden, wenn er Zeit hat. Eine sehr geheime Affäre, weil die offizielle Frau an seiner Seite problematisch sei. Äh, ja. Klassisches Affären-Begründungs-Klischée.

Er erzählt von seinem neuen Haus, das bewohnt er jetzt mit ihr. Würde michs mich so interessieren… Von seinem Job (von dem ich viel, aber offiziell nichts weiß), seiner Berufung (die mich immens interessiert und beeinflusst, aber in der ich für ihn keine Rolle spiele). Er plant Urlaube, angeblich alleine, tolle Erlebnisse, schöne Fotos, schau mal. Und nimmt sich keinen Tag für mich frei. Yes, stimmt, das klingt sehr nach „ich-sag-Dir-zwar-Du-bist-mir-wichtig-aber-Du-kommst-erst-an 17.Stelle-Klischée.

So, Achtung, jetzt kommt der Auskotz-Teil:
Ich bin also die Frau für die Dienstreisen, für schöne Hotelzimmer, für Rotwein-beschwippste Gespräche, ungewöhnlichen Sex, für ab und zu eine Mail und kleine Aufmerksamkeitshäppchen kurz vorm nächsten Treffen. Für interessierte Fragen und die Möglichkeit, sich selbst darzustellen (er! nicht ich), für kleine Spielchen und Phantasien. Die Frau, mit der man nicht mehr als 2 Nächte am Stück braucht, die man nur anruft, wenn unbedingt nötig, Die ja so leicht verfügbar ist. Die sich körperlich mit diesem Mann endlich mal wohl und sexy fühlt. Die ihn spannend findet und irritierend, so gerne vertrauen möchte, aber öfter mal im Geheimen heult, weil es ihn einfach nicht interessiert. Die zunehmend mehr verlangt und ein bisschen rumzickt und dafür weniger Aufmerksamkeit bekommt. Die manchmal immer noch ein kleines bisschen naiv ist und alles glaubt, was man ihr erzählt und dann wieder innerlich den Kopf schüttelt, Lügen zuhört und denkt „Du Idiot, Du hast mich gar nicht verdient“. Sagt sie aber nicht. Er hat nämlich einen eigenartigen Reiz und ziemlich viel Wert für sie.

Ja, dazu fallen mir spontan jetzt einfach zu viele Klischée-Bezeichnungen ein. Und keine guten… Any suggestions?

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Der Trick mit dem “Blau-Papier”

Habe am Wochenende wieder mal in meinen alten Foto-Alben geblättert. Und muss sagen, ich habe wirklich verdammt gut ausgesehen damals in den 80ern. Und ich habe das weidlich ausgenutzt, dass sich die Männer um mich gerissen haben. Ja, manchmal war ich schon ein richtiges Luder gewesen.
Und da ist mir wieder die Geschichte eingefallen von dem Abend in einer damals angesagten Szene-Bar. Ich hatte gerade meinen ersten Cocktail bestellt, als links und rechts zwei Kerle neben mir Platz nahmen. So die Abteilung reich und Schnösel aber nicht unbedingt unattraktiv. Aber eigentlich hatte ich nur Augen für den Barmann, groß, breite Schultern und blaue Augen zum hineinfallen.
Was soll ich sagen? Links und rechts von mir fuhren die beiden Macker Champagner auf und begannen mich zuzutexten. So die Abteilung „mein Haus, mein Auto, meine Yacht“. Nur der Barmann sagte nichts. Guckte er mich überhaupt an? Manchmal glaubte ich ja, manchmal nicht. Mit jedem Champagner, den er uns nachschenkte, wurde ich unsicherer und auch ärgerlicher, und irgendwann dachte ich mir: Dann lass es halt Du Arsch!
Irgendwann war ich auch reichlich angeschickert, und als der Kerl rechts von mir mich nach meiner Telefonnummer fragte, sagte ich zu dem Barmann: „Hast Du mal ein Stück Papier und einen Schreiber?“
Der Barmann holte unter dem Tresen einen Quittungsblock hervor, wie sie es damals in der Gastronomie noch gab, und einen Kugelschreiber.
Als ich darauf meine Telefonnummer kritzelte, merkte ich, dass er dabei grinste. Diese Quittungsblocks hatten auch ein Blau-Papier für das Durchschlagspapier darunter. Der raffinierte Kerl besorgte sich also so auch meine Telefonnummer, ohne dass der Blödmann neben mir es mitbekam.
Der Abend war gerettet. Irgendwann gaben die Typen neben mir auf und verschwanden. Ich überlegte auch einen Moment, ob ich nach Hause gehen und auf einen Anruf meines Barmannes warten sollte. Aber dann blieb ich sitzen und wartete, bis er Feierabend hatte. Wer auf solche Ideen kam, musste auch auf anderem Gebiet ein interessanter Mann sein. Was er auch war…

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Hilfe, ich habe einen Traummann!

Ich habe ein Problem:
Mein Freund nervt mich total. Wir sind seit knapp vier Jahre zusammen und eigentlich ist alles in Ordnung. Er ist von Aussehen her ein echter Traumtyp. Wenn ich mit ihm in den Club oder so gehe, merke ich schon, wie die anderen Frauen gucken. Aber irgendwie nervt es mich, dass er so total lieb ist. Er will mir immer alles recht machen und richtet sich in allem nach mir: Was wollen wir am Wochenende machen? Wo wollen wir essen gehen? Was wollen wir kochen? Seine Antwort: Worauf du Lust hast! Oder: Ach ich weiß nicht, was willst du denn? Ist mir egal. Entscheide du!
Zu Anfang unserer Beziehung fand ich das toll, aber ehrlich gesagt, mittlerweile kann ich das nicht mehr ertragen. Ich fahre ihn jetzt schon mal an ob er denn gar keine eigenen Ideen hat. Dann ist er immer ganz geknickt und guckt so traurig wie ein kleiner Hund. Das macht mich fertig. Irgendwie kann ich auch gar nicht mit ihm über unsere Beziehung reden, weil er jede vorsichtige Kritik mit dem Vorwurf: „Du liebst mich nicht mehr!“ killt. Nach jedem Streit schreibt er mir kleine Zettelchen mit „Ich liebe dich“ und verteilt sie in der ganzen Wohnung. Mal was mit meinen Freundinnen allein was unternehmen? Dann sitzt er die ganze Nacht im Wohnzimmer und wartet auf mich. Auf dem Herd steht dann eine Suppe, damit ich was essen kann, falls ich noch Hunger habe. Oder er hat einen Kuchen gebacken. Ich würde mich am liebsten trennen. Aber ist das nicht undankbar? Andere Frauen würden so einen Mann vielleicht toll finden, oder?

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  1. Peter schrieb

    Aus “Dankbarkeit” würde ich schon mal gar nicht mit einem Partner zusammenbleiben. Lass ihn laufen, ist doch schön, wenn sich die nächste Frau freut. Neulich diesen Spruch gelesen, er stimmt: “Unser Leben ist keine Probe, es findet nur einmal statt”. Sitze Deine Zeit nicht ab.

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Eigentlich liebt er nur seinen Fußball-Verein

Die Fußball-Europameisterschaft ist vorbei. Die Tour de France ist vorbei. Die Olympischen Spiele sind vorbei. Doch meine eigentliche Leidenszeit beginnt jetzt wieder: Nächste Woche geht die Bundesliga wieder los, und wie ich am Verhalten meines Mannes erkennen kann, hat die Zweite Liga schon begonnen.
Ich bin seit 24 Jahre mit diesem Mann verheiratet. Eine gute Ehe. Wenn auch mit all den Höhen und Tiefen, die so kommen nach so vielen Ehejahren. Mittlerweile kenne ich alle seine Macken und habe auch gelernt damit zu leben, dass er einer von den Männern ist, die keine, wirklich keine Sportübertragung im Fernsehen verpassen. Und unser Leben am Wochenende richtet sich ausschließlich nach dem Spieltag seines Lieblingsvereins.
Das ist der 1. FC Kaiserslautern, und ich glaube, er hat wirklich noch kein Spiel von diesem Verein in den letzten Jahren verpasst. Am Fernsehen meine ich. Denn auf die Idee, ins Stadion zu gehen, kommt er nicht. Er ärgert oder freut sich nur auf der Couch. Wobei der Ärger in den letzten Jahren überwiegt hat. Denn die sind in den letzten Jahren mehrere Male abgestiegen. Und dann stöhnt, flucht und brüllt er auf der Couch und ist tagelang nicht ansprechbar.
Noch schlimmer aber ist es, wenn die gewonnen haben. Dann guckt er auch die letzte Sportsendung in der Nacht, nur um zum 100. Mal die Tore zu sehen.
Wie kann man so fanatisch sein? Zumal er schon seit Jahrzehnten gar nicht mehr in Kaiserslautern lebt, sondern mit mir weit weg in Hamburg. Und warum sucht er sich keinen neuen Lieblingsverein, wenn seiner so schlecht ist?
Genau das habe ich ihn einmal gefragt.
Er hat mich angekuckt, als sei ich ein Außerirdischer. Und dann hat er gesagt: Man kann seinen Verein nicht wechseln. Einmal FCK-Fan, immer FCK-Fan. Du kannst Dich neu verlieben, Du kannst Dich von deiner Frau trennen, aber niemals von deinem Verein. Dem ist ein richtiger Fan sein ganzes Leben treu.“
Ich habe ganz schön schlucken müssen. So ist das also. Er liebt letztendlich seinen Verein mehr als mich. Oder sehe ich das falsch. Würde mich interessieren, was ihr so darüber denkt und bin gespannt auf eure Kommentare.

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  1. Peter schrieb

    Wenn diese – Deine – Erkenntnis 24 Jahre gereift ist, wird sie schon richtig sein, Ulrike.

  2. Laura schrieb

    Liebe Ulrike, ich denke nicht, dass Du das so sehen solltest. Fußball ist eben ein Kult, der von unglaublich vielen Männern verehrt wird! Wie kein anderer Sport erregt Fußball unsere Männer. Selbst Politiker und Intellektuelle verlieren gelegentlich ihre Contenance. Es geht um eine starke Männergemeinschaft, Männer im gemeinsamen Kampf, es geht um Sieg und Konkurrenz…..um die pure männliche Kraft eben.
    Fußball ist für unsere Männer viel mehr als ein Spiel!
    Ich habe zu Hause auch so einen sportbegeisterten Ehemann und nach einigen Jahren begriffen, dass ich seine Interessen respektierten muss. Nur so kann man eine friedliche und glückliche Ehe führen!
    Umgekehrt erwarte ich natürlich den gleichen Respekt für meine Interessen.
    Fußball ist Männern zum Teil richtig heilig! Den Verein, an den man sein ganzes Leben geglaubt hat, wechselt man eben nicht einfach…(.ähnlich einer Religion). Ich kann mir vorstellen, dass das Dein Mann meinte, als er äußerte,” man würde sich eher von einer Frau als von seinem Verein trennen”. Fußball ist ihm nicht wichtiger als Du es bist, es hat eben überhaupt nichts mit Eurer Beziehung ( die ja auch nicht erst seit kurzem besteht ) zu tun. Freuen wir uns doch darüber, dass unsere Männer so viel Leidenschaft versprühen können! ;) Liebe Grüße

  3. Udo schrieb

    Dazu fällt mir gerade ein Zitat von Bill Shankly ein, liebe Ulrike. Der war Schotte, Fußballspieler und in den 1960er und 70er Jahren Trainer des FC Liverpool. Der hat einmal gesagt: “Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.”
    Hoffe, bei deinem Mann nicht…lol

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Die “Abgründe” eines Rockers

Mit Männern erlebt man ja manchmal wirklich die seltsamsten Sachen. Als ich hier die Geschichte mit den „Bonbondosen“ gelesen habe, ist mir gleich wieder die Geschichte mit einem Rocker eingefallen, den ich hier einmal „Kalle“ nennen will.
Kalle begegnete ich, als ich frisch nach Hamburg gezogen war und eine gemütliche Stammkneipe gleich gegenüber meiner neuen Wohnung fand, wo sich am Abend die Nachbarschaft traf, hauptsächlich jüngere Leute. Zum „Inventar“ dieser Kneipe gehörte auch Kalle, den man hier fast jeden Tag anzutreffen pflegte. Er hatte seinen festen Barhocker, gleich am Tresen, wo auch ein kleines Messingschild mit seinem Namen darauf eingenagelt war. Kalle war schon damals bis zum Hals tätowiert, trug immer nur eine ärmellose Jeansweste, die über und über mit Abzeichen verschiedenster Motorrad-Clubs bepflastert war.
Wie schon gesagt, er war im Privatleben Rocker, und wie man munkelte, früher wohl ein ziemlich „Böser Bube“ gewesen. Angeblich sogar ein „Hells Angel“ mit allem, was dazu gehört. Also, Drogen, Frauen und Knast.
Kalle war so Anfang 40 mit beginnendem Bierbauch und ersten grauen Strähnen in seinem schulterlangen Haar. Den Mund machte er eigentlich nur auf, wenn er ein neues Bier bestellte. Ansonsten schien ihn nichts zu interessieren, was in der Kneipe so los war. Inklusive meiner Person. Was mir einerseits recht war, mich aber andererseits auch ein bisschen fuchste. Denn ich ertappte mich manchmal durchaus bei ziemlich schrägen Gedanken und Fantasien, über die ich selbst am meisten erschrocken war.
Wie das wohl so wäre…mit einem so animalischen Kerl…mit einem Macho pur…?
Gott sei Dank kam ich nie in die Versuchung, meinen Gedanken auch Taten folgen zu lassen. Wie gesagt, der Kerl schien sich nicht die Bohne für mich zu interessieren. Bis zu diesem Abend:
Eigentlich war alles wie immer. Kalle saß festgeschraubt auf seinem Barhocker und nickte mir kurz zu, als ich ihn und die anderen Stammgäste begrüßte. Doch dann glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen:
„Machst Du Heike mal ein Bier!“, sagte er zum Wirt. Ich war viel zu verblüfft, um abzulehnen. Außerdem sagte mir eine innere Stimme, dass das vielleicht nicht ratsam wäre, die Einladung eines Rockers auszuschlagen. Und: Er wusste sogar, wie ich hieß!
Nach dem zweiten Bier verließ er seinen Barhocker und setzte sich neben mich. Nach dem dritten Bier versuchte er sogar so etwas Ähnliches wie ein Gespräch mit mir zu beginnen.
Ich will es abkürzen. Es wurden viele Biere an diesem Abend, und ich erfuhr, dass mein Rocker heute in einer betreuten Werkstatt für geistig behinderte Jugendliche arbeitete. Ja, und er habe früher wirklich ein wildes Leben geführt, und im Knast sei er auch gewesen. Aber das sei jetzt alles vorbei.
Ich checkte es immer noch nicht. Was war los an diesem Abend mit Kalle? Warum schüttete er mir plötzlich sein Herz aus?
Bis es mir langsam dämmerte: Kalle versuchte mich anzumachen. Auf seine etwas unbeholfene und manchmal ganz direkte Art. Wie direkt, sollte ich merken, als ich endlich meinen ganzen Mut zusammenfasste und ihn fragte:
„Kalle, warum interessierst Du dich denn plötzlich so für mich?“
Kalle fing noch mehr an zu stottern und herumzudrucksen. Bis es endlich aus ihm herauskam:
„Ich habe einen kleinen Tick. Einen richtigen Tick. Und ich habe Dich noch nie mit Brille gesehen…“
Verwundert griff ich an meine Brille, ein ganz normales Kassengestell. Richtig: Ich hatte mir an diesem Abend die Kontaktlinsen herausgenommen, weil meine Augen gereizt waren.
„Und ist irgendetwas mit einer Brille?“, fragte ich etwas verdattert.
„Nein, nein. Überhaupt nicht“, antwortete Kalle und schaute verlegen zur Seite.
„Es ist nur so…ich meine mein Tick…Ich stehe nur auf Frauen mit Brillen…Frauen mit Brillen machen mich irgendwie immer geil…“
Jetzt war es heraus! Beinahe hätte ich lauthals gelacht. Dann sagte ich: „Mach Dir nichts draus, Kalle. Jeder von uns hat so seine Abgründe und Macken. Und bei mir ist das so: Ich stehe nicht so auf tätowierte Männer.“
Puh! Kalle nickte. Das schien ihm einzuleuchten. Und sofort stellte er seine „Bemühungen“ um mich ein. Wir tranken noch ein Bier und umarmten uns beim Abschied.
Seit diesem Abend hatten wir ein ganz normal-entspanntes Kneipen-Verhältnis. Kalle hat nie wieder versucht, mir irgendwie näher zu kommen. Und ich habe immer sorgsam darauf geachtet, mir die Kontaktlinsen einzusetzen, bevor ich mich auf den Weg in meine Stammkneipe machte.

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  1. Julie Leszinsky schrieb

    Ha, ha. ha! Sehr lustig (und anrührend).
    Weiter so

    Julie

  2. Stephanie Wolf schrieb

    Köstlich! Und herzerwärmend – ein wunderbares Beispiel dafür, dass das Äußere eines Menschen wirklich wenig bis gar keine Rückschlüsse auf seinen Charakter zulässt. Tätowiert bis zum Hals – aber das genaue Gegenteil der Spezies “Ich bin ein Vollhorst aber trotzdem Gottes Geschenk an die Frauenwelt”!

  3. Kerstin schrieb

    Danke für die schöne Geschichte!

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Whiskas, Hühnersuppe und Liebe

Er war zehn Jahre jünger als ich – und die erste große Liebe meines Lebens. Ich war 29 als ich ihn kennen lernte. Er war ein Praktikant, der mir zugeteilt wurde, weil der entsprechende Kollege länger krank geworden war. Jonas, so will ich ihn hier nennen, war ein etwas linkischer, aber sehr netter junger Mann. 19 Jahre alt und frisch von der Schule. In unserer Firma sollte er sich mit um das IntraNet kümmern.
Das ist jetzt drei Jahre her. Ich war damals in einer „Beziehung“ mit einem acht Jahre älteren Mann, B., der verheiratet war und den ich zu lieben glaubte. Ich redete mir ein, dass dieses Verhältnis auf Distanz genau mein Ding sei. Keine Verpflichtung, immer nur die Rosinen. Die doofe Ehefrau, die seine Wäsche macht und jede seiner Launen kennt? Nein danke! Lieber Champagner und rote Rosen, er ließ kein Klischee aus, erwartete dafür aber ständige Verfügbarkeit und bitte bloß keine Problemgespräche. Schließlich war ich ja das Kontrastprogramm zum heimischen Grau.
Dass es mir immer schlechter ging, merkte ich erst gar nicht. Mein Körper schickte Signale, die ich überhörte: Magenschmerzen, Kopfschmerzen, morgens kam ich fast gar nicht mehr aus dem Bett. Eines Tages hatte ich plötzlich eine kreisrunde kahle Stelle auf dem Kopf. Ich war unglaublich erschrocken. Meine Freundinnen bequatschen mich wie ein krankes Pferd, mich von meinem Freund zu trennen. Ich ließ mich krankschrieben, verbarrikadierte mich zu Hause und stellte das Telefon ab. Alles war dunkel und sinnlos. Ich fühlte mich wie in einer Sackgasse. Ich lag den ganzen Tag im Bett, und jeder Gang zum Klo war eine irre Anstrengung. Wenn meine Katze nicht gewesen wäre, ich weiß nicht, was ich getan hätte! Ich musste mich um sie kümmern und das Katzenklo saubermachen. Ich stellte fest, dass es für mich einfacher ist, mich um andere zu kümmern als um mich selbst. Die Traurigkeit ging nicht wirklich weg, aber diese Erkenntnis hakte sich in meinem Gehirn fest: Ich kann mich nicht gut um mich kümmern!
Nach einer Woche Bett & Traurigkeit war das Whiskas alle, und ich musste in den Supermarkt. Ich wollte nichts bestellen, sonst hätte der Bote mich an der Tür in ein Gespräch verwickeln können, und das wollte ich in meinem reduzierten Gefühlszustand unbedingt vermeiden. Ich dachte, wenn ich vormittags einkaufen gehe, treffe ich bestimmt niemanden, den ich kenne. Von wegen! Ich traf Jonas, der gerade einen Berg von Katzenfutter in seinem Einkaufswagen anhäufte. Ich wollte schnell beidrehen, aber es war zu spät, er hatte mich schon gesehen. Jetzt musste ich mich mit ihm unterhalten und irgendwas von einem Darmvirus faseln, der mich ans Bett gekettet hätte. Ich sah jedenfalls entsprechend aus. Mit einem Blick auf meine Einkäufe sagte er: „Ich wusste gar nicht, dass Du auch eine Katze hast. Oder ist es ein Kater? Ich habe zwei, Geschwister, Mädchen und Junge, die zerlegen regelmäßig meine Wohnung…“ Und schon fand ich mich mitten in einem Gespräch über Katzen wieder. Das Ende vom Lied: Jonas trug meine Einkäufe nach Hause. Ich entschuldigte mich tausendmal dafür, dass die Wohnung so unaufgeräumt war, und Jonas meinte nur: „Dir geht’s wohl gerade nicht so gut, wie?“ Dieser Satz löste alle meine Blockaden. Ich heulte los und konnte überhaupt nicht mehr aufhören. War das peinlich! Der blöde Typ, mit dem ich zusammen war, meine Illusionen, die ich mir gemacht hatte, der Druck, unter dem ich stand, alles floss aus mir heraus. Ich war ein heulendes Elend und das in Gegenwart meines Praktikanten!
Der wusste erst auch nicht so genau, wie er sich verhalten sollte. Dann aber setzte das ein, was er später mal als „Großer-Bruder-Reflex“ bezeichnet hat: Er nahm mich in den Arm, drückte mich, dann machte er sich auf die Suche nach Taschentüchern, Tee und Schnaps.
Drei Stunden später, nachdem ich ihm die Schulter nass und die Ohren voll geheult hatte, brachte er mich zur Couch und deckte mich zu. Ich hörte noch, wie er in der Küche Katzenfutter in das Schüsselchen tat, dann schlief ich getröstet (und ziemlich betrunken) ein.
Am nächsten Tag stand er mit einem Topf Hühnersuppe vor der Tür. Das beste Mittel gegen Lebens- und Liebeskummer, wie seine kleine Schwester behauptet. Am übernächsten Tag waren es schon Hühnersuppe und Blumen. Seine unaufgeregte Art war so wohltuend. Er ließ mich in Ruhe, war aber für mich da. Er kochte mir Nudeln mit einer fürchterlich fettigen Käsesoße. Er überredete mich, mit ihm ins Kino zu gehen. An diesem Abend brachte er mich nach Hause und mir war klar, es würde etwas passieren. Ich hatte B. hinter mir gelassen. Der hatte die ganze Woche nichts von sich hören lassen, was öfter vorkam und mir dieses Mal ausgesprochen recht war. Ich hatte ihm nichts mehr zu sagen, ich fühlte mich zwar noch innerlich ein bisschen wund aber wieder lebensfähig.
Ja, so kam es, dass Jonas und ich ein Paar wurden. Sehr vorsichtig und behutsam. Mit Einbrüchen (als ich mit B. offiziell Schluss gemacht habe und der Typ total ausgerastet ist und auf einmal auf große Liebe, Baby, gemacht hat) und mit Schwierigkeiten (Ich so viel älter als er, mein Praktikant). Aber mir war auch immer klar, dass er irgendwann gehen würde. Aber das war es mir wert. Ich habe nie wieder einem Mann getroffen, der so achtsam mit mir umgegangen ist, ohne dabei unmännlich zu wirken. In jenen düsteren Tagen hatte ich wirklich das Gefühl, Jonas hat mich aus einem sehr tiefen Loch gezogen und mir geholfen, netter zu mir selbst zu sein.
Nach einem Jahr traf er dann die Frau seines Lebens. Für mich war das fürchterlich aber nicht unerwartet. Er ist glücklich, so viel ich weiß. Ich bin es auch. Es gibt seit zwei Jahren einen neuen Mann in meinem Leben. Alles ist gut, aber von Jonas habe ich ihm nie erzählt.

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